Zu Besuch bei Apfelsaft und Kernölpresse

Ilse Böhner (76) lebt heute im Haus Am Mühlengrund in Wien-Liesing. Doch ihr Herz, das wohnt in der Steiermark. Im Rahmen eines „saftigen“ Ausfluges in die grüne Mark sprachen wir mit ihr über Kernöl, Schrebergärten und große sowie kleine Bio-Felder. Die 30 Häuser zum Leben werden jährlich mit 102.000 Kilogramm Bio-Äpfel, 160.000 Liter Bio-Frühstücks-Apfelsaft und 1.000 Liter Bio-Kürbiskernöl aus der Steiermark beliefert. Im Oktober begaben sich BewohnerInnen aus sechs Häusern zum Leben auf eine  geschmackvolle und lehrreiche Exkursion zu „ihren“ Bio-Apfel- und Bio-Kürbiskernproduzenten.

Mit dabei war auch Ilse Böhner. Für sie war die kleine Reise eine in die eigene Vergangenheit – und in den Genuss. Irgendwann hat sie nämlich die Liebe zur Steiermark entdeckt. Und dort prompt ein kleines Haus gemietet. Umgeben von der Natur konnte sie so richtig ausspannen. Beim Wandern mit dem Hund, beim Schifahren oder einfach nur beim Seele baumelnlassen im Wald, in Wenigzell (Joglland) konnte sie Ruhe und Besinnung finden. Gutes für Geist und Körper beinhaltet aber nicht nur Landschaft und gute Luft, sondern auch gesunde Lebensmittel.

„Wir legen viel Wert auf ein voll- und hochwertiges Verpflegungsangebot. Lebensmittel, die einerseits biologisch hergestellt werden und andererseits in ihrer Zusammensetzung den Bedarfen unserer Bewohnerinnen und Bewohner entsprechen, finden in unseren 30 Küchen immer mehr Einsatz“, erklärt Geschäftsführerin Gabriele Graumann den Anspruch der Lebensmittelbeschaffung im KWP.

„Biologisch“, sagt Frau Böhner. „Das kannten wir damals natürlich noch nicht. Wir haben unser Gemüse im Schrebergarten einfach nicht gespritzt. Das war dann bio, bevor es bio überhaupt gegeben hat!“ Was es gestern wie heute gibt, ist guter, natürlicher Geschmack. Der ist Frau Böhner noch heute heilig. Und aus diesem Grund züchtet sie auf ihrem Balkon im 23. Wiener Gemeindebezirk nach wie vor Kräuter. Mit denen verfeinert sie gerne das Essen im Haus. „Das ist sowieso gut“, meint sie dazu. „Aber ich mag diesen grünen Geschmack nach Kräutern.“

Der kleine, feine Unterschied
Im KWP sind nicht nur das Essen, sondern auch die Getränke bio. Die BewohnerInnen bekommen zum Frühstück vitaminreiche Bio-Fruchtsäfte in den Sorten Apfel, Apfel-Karotte und Apfel-Rote-Rübe gereicht. Erzeugt werden diese von dem zertifizierten Bio-Erzeugungsbetrieb Kochauf GmbH in der Oststeiermark. Dieser hat sich auf die Produktion von Bio-Fruchtsäften sowie Fruchtnektaren spezialisiert. Daher werden sowohl Äpfel der eigenen Apfelplantagen als auch von umliegenden Bio-Apfelbauern zu Apfelsaft oder Apfel-Mischsaft gepresst. Wie das genau vor sich geht, konnten BewohnerInnen und interessierte MitarbeiterInnen im Rahmen einer Führung durch das Unternehmen erfahren. „Beeindruckend“ – darin waren sich alle einig. Und Frau Böhner fand ganz besonders interessant, wie sehr sich die ganze Familie für Nachhaltigkeit und biologische Landwirtschaft einsetzt.

Kein Besuch in der Steiermark wäre komplett ohne Kernöl. Das fehlt in den Häusern bei keinem Salatbuffet. Für die Lebensmittelbeschaffung war es nicht leicht, einen passenden Lieferanten zu finden. „Wir wollten ein reines österreichisches Naturprodukt mit höchster Qualität und Reinheit“, erzählt Gerhard Schöberl, Chef der Lebensmittelbeschaffung. „Zwar hört sich 1.000 Liter Kübiskernöl nicht viel an – ist es aber. Immerhin braucht man dafür rund 40.000 Ölkürbisse – und das in Bio-Qualität und garantierter Lieferzusage über das gesamte Jahr hindurch.“ Gefunden hat man nach umfassender Ausschreibung das „Steirerkraft Kürbiskernöl g.g.A.“. Das „grüne Gold“ der Steirerkraft ist seit mehr als 10 Jahren das meist ausgezeichnete steirische Kürbiskernöl.

„Die Unterschiede in der Ölproduktion gegenüber zu früheren Zeiten sind wirklich beeindruckend. Ich freue mich, dass wir ein Management haben, das sich für Bio-Lebensmittel einsetzt. Denn mir ist Qualität viel wichtiger als Quantität“, meint Ilse Böhner.

Für die Herzenssteirerin kann es natürlich nur das echte Kernöl geben. Und für alle, die sich dafür interessieren, hat sie zwei Tipps parat. Erstens. Man erkennt die Billigware nicht auf den ersten Blick. Erst wenn von unten Licht durch eine dünne Schicht fällt, fallen Unterschiede in der Konsistenz auf – steirische Qualität enthält keine Schwebestoffe, es ist vollkommen klar. Und zweitens – hier werden manche Hausmänner- und Frauen aufjaulen, erkennt man das Original an den Flecken. „Das habe ich vorher auch nicht gewusst“, so die Bewohnerin. „Hochwertiges Kernöl auf Stoff kann man einfach in die Sonne legen. Es wird keine Flecken hinterlassen. Die Ware aus Fernost, die bei uns billig im Supermarktregal steht, hinterlässt Fettflecken.“

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