Chancen fürs Leben schaffen

André ist stolz, weil ihm seine KollegInnen im Haus Rossau ganz schön viel zutrauen. Zum Beispiel, den Fisch fürs Mittagessen der BewohnerInnen zuzubereiten. Das baut richtig auf. Doch der junge Mann, der ein Lächeln ins Gesicht vieler SeniorInnen zaubert, ist kein Koch. Er ist einer von mehreren integrativen Lehrlingen im KWP.

Am 1. September 2016 hatten in den Häusern zum Leben 25 neue Lehrlinge ihren ersten Arbeitstag. Ein Teil davon sind integrative Lehrlinge. Geregelt ist die integrative Lehre im §8b des Berufsausbildungsgesetzes. Gründe für eine integrative Lehre gibt es viele. Einer sticht jedoch besonders heraus: „Die meisten haben keinen Hauptschulabschluss“, so Lehrlingsbeauftragter Erich Lobinger. „Das kann sehr viele verschiedene Gründe haben. Viele haben zum Beispiel gesundheitliche oder familiäre Probleme. Und natürlich sind auch junge Leute dabei, die etwas leistungsschwächer sind.“

Integrative Lehrlinge werden nicht auf dieselbe Weise eingestellt wie solche, die eine reguläre Ausbildung durchlaufen. Im KWP vermittelt der Verein TIW Jugendliche, bei denen vom Arbeitsmarktservice ein Bedarf für eine verlängerte Lehrzeit festgestellt wurde.

André weiß, dass er ein paar Fehler gemacht hat. „Zu goschert war ich am Anfang“, erzählt er. Einer seiner Kollegen, Souschef und Olympia-Teilnehmer Thomas Moldaschl, nickt. Aber inzwischen ist André, wie man so schön sagt, der Knopf aufgegangen. „Das ist meine Chance“, sagt André. „Vielleicht meine einzige. Daher gebe ich jetzt alles.“

Eine integrative Lehre unterscheidet sich nach Abschluss in nichts von einer traditionellen. Es gibt keine Unterscheidung, keine Vermerke auf Zeugnissen. Auch die Lehrabschlussprüfung ist dieselbe. Es wird keinesfalls weniger von den Auszubildenden verlangt. Sie haben nur länger dafür Zeit. Ein bis maximal zwei Jahre, um genau zu sein. Wenn auch das nicht möglich ist, besteht noch immer die Chance auf eine sogenannte Teilqualifikation. Dabei werden nur Teile der Anforderungen für einen Lehrabschluss vermittelt. „Das ist noch immer besser als gar nichts“, so Lobinger. „Zum Beispiel braucht die Systemgastronomie nicht unbedingt voll ausgebildete Köche.“

„Wir stellen junge Menschen als Lehrlinge ein, die in der Privatwirtschaft keine oder nur wenige Chancen hätten. Und darauf sind wir stolz!“ – Erich Lobinger, Lehrlingsbeauftrager

André jedenfalls ist glücklich. Denn: „Mir wird hier viel zugetraut. Es wird auch viel verlangt. Ich freue mich, wenn ich große Aufgaben übertragen bekomme.“ Insgesamt findet er den KWP-Zugang zur Lehre sehr gut. „Ohne meine Betreuerin wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier. Sie hat mich wirklich sehr unterstützt.“ Und: „Ich lerne Dinge, indem ich sie mache. Das liegt mir. In der Schule mit der Theorie bin ich nicht so gut. Aber wenn ich in der Küche einen Auftrag bekomme, bei dem es um was geht, dann bemühe ich mich so richtig.“

Unterstützung für den Nachwuchs
Die Häuser zum Leben unterstützen ihre Lehrlinge, wo es nur geht. Und ganz besonders die integrativen. „Wir hatten da einige kreative Ideen“, so Lehrlingsbeauftragter Lobinger. „Auch integrative Lehrlinge besuchen dieselbe Klasse in der gleichen Berufsschule. Also organisieren wir Lernrunden, in denen die stärkeren die schwächeren unterstützen. Das ist gleichzeitig auch sehr persönlichkeitsbildend und darauf legen wir viel Wert.“

Darauf, und auf formalisiertes Feedback. Jede/r MitarbeiterIn hat Anspruch auf ein MitarbeiterInnen-Gespräch. Nicht so Lehrlinge. „Daher haben wir SEGEL“, erzählt Lobinger. „Das ist ein Semestergespräch für Lehrlinge. Eine sehr gute Einrichtung, um gezielt über Stärken, Schwächen, Förderbedarf oder auch mögliche Upgrades – wie die Lehre mit Matura – zu sprechen.“

Ein SEGEL war auch, was bei André endgültig den Ausschlag gegeben hatte, sich so richtig am Riemen zu reißen. Er will jetzt unbedingt seinen Abschluss haben. Danach würde er gern im KWP bleiben, was bei Bedarf möglich ist. Für alle neuen Lehrlinge hat er einen richtig guten Tipp parat:

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