Die Freundin mit der kalten Schnauze: PET-Therapie

Traps-traps-traps. Hundepfoten auf Fliesenboden. Das Geräusch verstummt am Teppich, aber die BewohnerInnen des stationären Bereichs im Haus Rossau kennen sich schon aus: Luna ist wieder da. Das bedeutet Abwechslung und Freude. Denn Luna ist der vierbeinige Liebling von so gut wie allen. Mit dabei ist auch Hundebesitzerin Ingrid Schwarzenberger. Sie hat ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Tier. Die Ausbildung zum Therapiehund, die insgesamt ein Jahr dauert und auf der Veterinärmedizinischen Universität stattfindet, absolvieren Hund und Frauchen gemeinsam. Das verbindet. Doch welche Qualitäten braucht ein Hund, um therapietauglich zu sein?

„Vor allem Ruhe und Gelassenheit“, so Frau Schwarzenberger. „Der Hund darf keine Angst haben. Luna nimmt es auch gelassen, wenn sie von hinten berührt wird. Viele Hunde mögen das nicht, weil sie nicht sehen, was da los ist. Ihr ist das egal.“

Luna ist aktiv. Sie hüpft schon mal auf ein Bett, damit bettlägerige BewohnerInnen sie streicheln können. „Sie ist ganz vorsichtig“, versichert Fr. Schwarzenberger. „Sie berührt dabei auch keinen Schlauch und kein Kabel.“

Die sogenannte PET-Therapie funktioniert über das Ansprechen von Sinnen. Diese gehen gerade bei einer Demenz-Erkrankung der Reihe nach verloren. Der Tastsinn ist allerdings am längsten aktiv. Und das Gefühl eines weichen Fells ist für die meisten Betroffenen eines, das sie ihr Leben lang gekannt haben. Wie im vorherigen Artikel beschrieben, löscht Demenz Erinnerungen in umgekehrter Reihenfolge aus – die neuesten zuerst, während alte länger bleiben.

Aus BetreuerInnen-Sicht ist mit Luna und anderen Therapiehunden eine sinnstiftende Beschäftigung möglich. Streicheln, das Fell bürsten oder vielleicht sogar füttern, das sind Aktivitäten, die oft lange verschüttete Erinnerungen freilegen.

„Ich hatte ein ganz besonderes Erlebnis“, erzählt Frau Schwarzenberger. „Wir haben eine Patientin besucht, die seit mehr als zwei Jahren kein einziges Wort mehr gesprochen hatte. Luna ist zu ihr ins Bett gesprungen und hat sich an sie gekuschelt. Und plötzlich hat sie den Namen ihres Hundes aus der Jugend gesagt. Immer und immer wieder. Ich bin froh, dass PflegerInnen im Raum waren, denn die Geschichte würde mir sonst niemand glauben!“

Eine animatorische Arche Noah
Doch nicht nur PflegerInnen greifen auf die Hilfe von Tieren zurück. Viel breiter – und auch weniger streng geregelt – sind Tiere in der sogenannten Animation aufgestellt. Unter Animation verstehen die Häuser zum Leben verschiedene Programme für Menschen, die niedrigere Pflegestufen haben, also noch recht selbstständig sind. Darunter fallen beispielsweise Gruppenaktivitäten wie Basteln, Denksport, Quiz, gemeinsames Singen und ähnliche Tätigkeiten. Im KWP sind übrigens viele dieser Aktivitäten öffentlich und können von allen Interessierten besucht werden.

„Wir haben insgesamt zwei Hunde im Haus“, erzählt Veronika Szàbo, Animateurin im Haus Rossau. „Aber eigentlich sind viele Tiere sehr geeignet.“ Darunter so manche, von denen man es nicht erwartet: Schnecken etwa. Riesige Achatschnecken, groß wie Handteller. „Die sind sehr gut für die Arbeit mit ADHS-Kindern. Aber sie beruhigen auch aufgewühlte Seniorinnen und Senioren.“

Mit dabei in der Menagerie ist ansonsten alles, was ein Fell hat. Selbst die Hauskatze lässt sich gerne hin und wieder einspannen. Aber wie das bei Katzen so ist, natürlich nur dann, wenn Euer Majestät gerade geneigt ist.
maus

Kick it like Luna
Luna ist inzwischen so richtig in Spiellaune. „Klassische Tricks beherrscht sie keine“, erzählt Ingrid Schwarzenberger. „Aber sie kann Ballspielen.“

Sie kann was?

„Sehen Sie“, sagt die Hundebesitzerin. Drückt einer Bewohnerin einen Luftballon in die Hand. Sie wirft, Luna springt, der Ballon landet wieder im Schoß der Bewohnerin. Verzücktes Lachen im ganzen Raum. Viel Freude auf vier Beinen.

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