Geschäftsführerin Gabriele Graumann zur Pflegereform

Pflegereform: ja, bitte. Alte Vorurteile: nein, danke!

Man muss „die Rahmenbedingungen so ordnen, dass nach Möglichkeit die Pflege zu Hause sichergestellt werden kann, um nicht das Prinzip des Abschiebens in eine Pflegeeinrichtung zu haben“. Mit diesen Worten hat die Bundesregierung nach ihrer Klausur angekündigt, eine Pflegereform in Angriff nehmen zu wollen. Zuvor soll es einen „Pflegedialog“ mit allen beteiligten Institutionen geben.


“Muss man älteren Menschen, die Hilfe brauchen und sie vielleicht nicht einfach in der Familie abrufen können, mit solchen Formulierungen Angst machen?”


Nun ja: Grundsätzlich ist es ja zu begrüßen, dass das Thema Pflege auf höchster politischer Ebene angekommen ist. Es ist auch zu begrüßen, dass die Betroffenen, ihre Interessenvertretungen, NGOs und Anbieter von Pflegeleistungen zu einem Dialog eingeladen werden.

Aber muss das alles unter der Betonung alter, längst überholter Vorurteile gegenüber Pflegeeinrichtungen sein? Muss man älteren Menschen, die Hilfe brauchen und sie vielleicht nicht einfach in der Familie abrufen können, mit solchen Formulierungen Angst machen? Und muss man die tausenden Pflegenden, die in diesen Institutionen arbeiten, ihr Engagement und ihre Qualifikation absprechen? Ich meine, hier sollten vor allem PolitikerInnen in ihrer Wortwahl mit sehr viel mehr Fingerspitzengefühl vorgehen.


“Ich verwehre mich entschieden dagegen, dass Angehörige unter Generalverdacht gestellt werden!”


Zum einen: Vom „Abschieben in Pflegeeinrichtungen“ kann überhaupt keine Rede sein. Ich verwehre mich entschieden dagegen, dass Angehörige unter Generalverdacht gestellt werden. In vielen Fällen ermöglichen die räumlichen oder sozialen Rahmenbedingungen einfach keine Pflege zu Hause. Nicht jeder kann seinen Beruf aufgeben, seinen Wohnsitz wechseln oder auch psychisch die Last einer Pflege tragen. Und genau da benötigt es Einrichtungen wie unsere „Häuser zum Leben“, wo alt und hilfsbedürftig zu sein nicht heißt, auf ein würdiges Leben und soziale Kontakte verzichten zu müssen.

Zum anderen: Der Name „Häuser zum Leben“ für die 30 Häuser des KWP kommt nicht von irgendwo. Unsere rund 4.400 MitarbeiterInnen, egal ob in der Pflege, in der Technik, in der Gastronomie oder in der Verwaltung, geben tagtäglich alles, um den BewohnerInnen ein Leben und ein Älterwerden in Würde und in bester Gesellschaft möglich zu machen. Ihr Engagement stellt sicher, dass es allen bei uns lebenden Menschen gut geht. Die vielen positiven Rückmeldungen unserer BewohnerInnen und vor allem auch deren Angehörigen bestätigen immer wieder aufs Neue, dass wir hier beste Arbeit auf höchstem Niveau und nach modernsten medizinischen, technischen und auch sozialen Standards leisten – auch und vor allem in der Pflege. Ich lehne diese Art der Herabwürdigung der Arbeit meiner MitarbeiterInnen entschieden ab.

Ihre Mag.a Gabriele Graumann

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