Im Erstkontakt mit der Pflege

Die graue Theorie ist das eine. Die Praxis etwas ganz anderes. Davon konnten sich angehende SchülerInnen des Aus- und Weiterbildungszentrum für Sozialberufe (AWZ) im Haus Föhrenhof überzeugen.

Bei den BewerberInnen des AWZ handelt es sich meist um QuereinsteigerInnen. Entsprechend bunt sind die Lebensläufe. Ehemalige KellnerInnen sind mit dabei, ein Herr aus dem Einzelhandel oder Frauen, die bisher ihre eigenen Kinder betreut haben. Auch ehemalige AsylwerberInnen, zum Beispiel aus Afghanistan, wünschen sich eine solide Ausbildung im Sozialbereich. Allen gemeinsam ist, dass sie die Abläufe, die Anforderungen und vor allem die Stimmung auf einer Pflegestation noch nicht erlebt haben. Diese ersten Praxiserfahrungen führen die zukünftigen Pflegeprofis gleich in Kontakt mit den Häusern zum Leben. Und diese freuen sich immer über qualifizierte BewerberInnen!

Auswahlverfahren
Nicht alle BewerberInnen können einen der vielen Lehrgänge besuchen. Am Anfang steht ein Auswahlverfahren. Und hier setzt Heidrun Seewald, die im Bereich Human Resource Management – Personalentwicklung (HRM-PE) dafür verantwortlich ist an: „Ich spreche mit allen BewerberInnen, die für eine Ausbildung infrage kommen. Durch den Besuch im Haus mit all den Eindrücken, die QuereinsteigerInnen dort sammeln können, haben beide Seiten im Einzelgespräch ein noch besseres Bild von der zukünftigen Zusammenarbeit.“

Zwei Ziele
Dass die KandidatInnen das Pflegeumfeld bereits vor der Ausbildung kennenlernen können und sollen, hat zwei Gründe:

  1. Zu sehen, ob die Wünsche und Vorstellungen vom Pflegeberuf in Einklang mit der Realität stehen.
  2. Das Interesse an einer Tätigkeit in einem der 30 Häuser zum Leben zu wecken.

Stimmungen
Die erste Gruppe angehender Pflegefachkräfte (angestrebter Beruf: PflegeassistenIn) besuchte Anfang Februar das gerade generalsanierte Haus Föhrenhof. Begrüßt wurde die Gruppe von Hausdirektorin Larissa Rebbe. Nach einem kurzen einführenden Teil mit Vorstellrunde ging es auch schon ans Eingemachte: In einer kleinen Gruppenarbeit erarbeiteten die KandidatInnen gemeinsam ihre Erwartungen und auch die zu erwartenden Herausforderungen an und im angestrebten neuen Beruf.

„Wie geht man mit dem Sterben um?“
Wer kann solche Fragen besser beantworten als eine Frau, die den Beruf seit vielen Jahren ausübt. Katalin Eppich, Praxisanleiterin im Haus Föhrenhof, zog die ZuhöhrerInnen anschließend in ihren Bann. Mit einer faszinierenden Mischung aus Menschlichkeit und professioneller Distanz ging sie mit den Anwesenden in medias res. „Sehen Sie“, so die diplomierte Pflegerin, „natürlich ist es oft nicht leicht, sich zu distanzieren. Ja, wir sind oft mit dem Tod konfrontiert. Das ist nicht einfach. Vor allem, wenn man die Bewohnerin oder den Bewohner schon länger gekannt hat. Aber das ist der Beruf. Sobald wir zur Tür hinausgehen, müssen wir das ablegen können.“ Alles in allem sei der Beruf natürlich herausfordernd – aber im Endeffekt mehr als lohnend. Nach rund 30 Minuten interaktiver Diskussion, Fragen und ehrlichen Antworten waren die KandidatInnen ihrer persönlichen Entscheidung wohl schon deutlich näher. Was alle mitnehmen konnten, war die zentrale Aussage:

„Im Mittelpunkt stehen immer unsere BewohnerInnen!“

Zeit für einen Rundgang
Im Haus Föhrenhof gibt es zwei Gepflegt.Wohnen-Stationen. Eine davon ist ganz neu erbaut. Diese Stationen sind der Arbeitsplatz der künftigen Pflegefachkräfte. Und für die meisten war dieser Besuch – unter der fachkundigen Anleitung von Katalin Eppich – der wirklich allererste Kontakt mit der professionellen Pflege. Wie verhalten sich die BewohnerInnen, die teils dement sind? Wie riecht es in einer Pflegestation? Wie ist die Kompetenzverteilung, wie schaut es mit Nachtdiensten aus und wie ist das Verhältnis mit Angehörigen?

Viele Fragen und Eindrücke, auf die es nur teilweise eine theoretische Antwort gibt. Und diese wurden von den KWP-Profis zur Zufriedenheit beantwortet. Alle TeilnehmerInnen sind nach wie vor überzeugt, dass die Pflege älterer Menschen ihre berufliche Zukunft ist. Das freut natürlich auch Personalentwicklerin Heidrun Seewald: „Die Herausforderung besteht darin, aus der Menge an BewerberInnen die richtigen zu selektieren. Diese Gruppe steht hinter der Entscheidung für den Pflegeberuf. Das ist besonders wichtig und auch erfreulich. Denn für AWZ-SchülerInnen gibt es – einen positiven Abschluss vorausgesetzt – bereits vor Ausbildungsbeginn eine Einstellzusage.“

Die nächsten Ausbildungstermine für Fach- und QuereinsteigerInnen am AWZ finden Sie mit einem Klick hier.

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