Spezialangebot: Hilfe für pflegende Angehörige

„Ich kann das ja nicht mehr so“, sagt Herr F., Demenzpatient, etwas niedergeschlagen. Doch auch Pflegende und ihre erkrankten Angehörigen können ein weitgehend normales Leben führen. Wie, das erfuhren Sie bei einem Workshop im Haus Prater. Diese finden ab sofort regelmäßig  und kostenlos in vielen Häusern statt.

„Natürlich können Sie das!“

Das ist die Grundaussage von Petra Sallaba, Teamleiterin Haus.Betreuung im Haus Prater, an diesem Nachmittag. Herr F. zum Beispiel hat früher gern gekegelt. „Aber das geht auch nicht mehr so“, sagt er traurig. „Kein Problem“, so die Expertin. „Das können Sie noch immer“. Nur eben nicht mehr in der Halle, sondern in Form eines Tischkegelspieles. Die Kugel hängt dabei an einer Schnur. Herr F. schaut seine Frau verschmitzt an. „Sowas würdest du mir nicht erlauben, oder?“ „Na sicher“, kommt es zurück. „Da spiele ich mit!“

Das Kegelspiel ist nur eines von vielen Beispielen, wie DemenzpatientInnen ein alltagsnormales Leben führen können. „Langsam sein“ ist die Devise – in allem, was ihre pflegenden Angehörigen beachten müssen. Und  Vorbereitung ist immer notwendig. „Kündigen Sie zum Beispiel einen Spaziergang verbal oder nonverbal an. Es ist verwirrend, wenn alles schnell gehen muss. Geben Sie Zeit, die Information zu verarbeiten.“

Keine Frage: Die Altersstruktur und Lebenssituation von älteren Menschen hat sich über die Jahrzehnte stark verändert. SeniorInnen bleiben heute viel länger in den eigenen vier Wänden. Die Zahl jener, die Pflege benötigen, steigt an. Das KWP hat mehr als 55 Jahre Erfahrung in Pflege und Betreuung. Die Häuser zum Leben sind fest in ihren Grätzln verankert. Die Kompetenz und das Know-how der MitarbeiterInnen sind bis weit über die Häuser hinaus bekannt. Dieses Wissen wird jetzt in Form von Vorträgen und Workshops weitergegeben.

Die Katze aus der Vergangenheit

„Ich habe eine Frage“, meldet sich Frau B., die allein ihre Mutter pflegt. „Wir hatten früher immer Katzen im Haus. Doch seit einigen Monaten hat meine Mama Angst vor unserer Katze. Was kann das sein?“ Antworten darauf gibt es viele. Vielleicht hat sie Angst vor Verletzungen, denn alte Haut ist viel empfindlicher. Es kann aber auch sein, dass die Demenz ein längst vergessen geglaubtes negatives Erlebnis mit einer Katze hochgespült hat. „Es ist schwierig, den wahren Hintergrund herauszufinden“, so Validationsexpertin Susanne Altenburger aus dem Haus Brigittenau. Auch in ihrem Haus werden Veranstaltungen zum Thema stattfinden. Im Haus Prater holt sie sich Inspiration. „Wichtig ist jedoch, dass Sie das akzeptieren. Es gibt definitiv einen Grund dafür und Ihre Mutter wird das nur ändern, wenn sie selbst es will. Jede vielleicht befremdlich wirkende Verhaltensweise dementer Menschen ist eine Form der Kommunikation. Sie möchte Ihnen etwas sagen.“

Das „Ich“ nicht verlieren

„Eines der großen Probleme, die Angehörige in Pflegesituationen haben, ist das schlechte Gewissen. Es bringt aber nichts, wenn Pflegende ausbrennen.“

Das stellt Petra Sallaba klar. „Damit ist niemandem geholfen. Es gibt keinen Anlass für schlechtes Gewissen, wenn Sie ein paar Stunden für sich selbst nehmen. Stellen Sie sicher, dass es der zu pflegenden Person gut geht und gehen Sie!“ Hilfe dafür gibt es übrigens auch von der Stadt: Die Tageszentren des Fonds Soziales Wien haben von 8 bis 17 Uhr geöffnet, das Tageszentrum PLUS in Favoriten bis 22 Uhr, auch am Wochenende.

Workshops in ganz Wien

Die Workshops der Häuser zum Leben umfassen eine breite Palette an Themen und werden in der ersten Ausbaustufe in verschiedenen Häusern in der ganzen Stadt angeboten. Alle Häuser bieten auch an, pflegebedürftige Angehörige für die Dauer der Workshops zu versorgen. Die Workshops finden Sie immer aktuell mit einem Klick hier. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Voranmeldung ist nur in Häusern mit entsprechendem Vermerk nötig.

Keine neuen Hobbys

„Das Wichtigste ist, der gepflegten Person Selbstwertgefühl zu geben“, sind sich die KWP-Profis einig. „Selber machen ist die Devise. Es bringt nichts – etwa beim gemeinsamen Kochen – das Gemüse selbst zu schneiden, weil es schneller geht. So viel Zeit muss man sich bei gemeinsamen Aktivitäten nehmen. Denn wenn die demente Person das selber macht, erzeugt das Stolz.“

Welche Aktivitäten gesetzt werden sollten, ergibt sich übrigens aus der Biografie. Wer das Kochen schon früher nicht mochte, wird sich im Alter nicht mehr damit anfreunden. Wer ein Leben lang zwei linke Hände hatte, wird mit Basteln nicht glücklich werden. „Oder“, so Petra Sallaba, „beim Vorlesen. Auch in diesem Fall muss der Köder dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Wer das ganze Leben lang Liebesromane verschlungen hat, wird sicher nicht auf Science-Fiction ansprechen. Darauf müssen sich Pflegende einstellen. Ihre eigenen Vorlieben können sie in der Ich-Zeit ausleben.“

„Kartenspielen kann ich auch nicht mehr so“, sagt Herr F. „Natürlich kannst du das“, sagt seine Frau. Eine Hand legt sie auf die seine. Mit der anderen greift sie zum Memory-Spiel mit den großen, simplen Bildern, das auf dem Tisch liegt.

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