Neue Tag.Familie für Menschen mit Behinderungen

Die Tag.Familie Menschen mit Behinderungen bietet Menschen mit geistiger Behinderung, Sinnesbehinderung oder psychiatrischen Diagnosen eine Tagesbetreuung durch speziell ausgebildetes und geschultes Personal. Eine neue Tag.Familie gibt es seit dem 1. Quartal 2017 im Haus Neubau. Insgesamt ist sie für 14 Personen konzipiert. Eine zweite Tag.Familie eröffnet im Oktober 2017 mit ebenfalls 14 Plätzen.

Wozu braucht es die Tag.Familie?
Das Ziel der Tag.Familie ist es durch einen strukturierten, begleiteten Tagesablauf das Vertrauen in das eigene Können zu stärken und durch sinnstiftende Aufgaben und Betätigungen die Lebensqualität zu verbessern. Es wird sichergestellt, dass die sozialen Grundbedürfnisse – wie etwa nach Gesellschaft – erfüllt werden. Erhalt und Förderung von Selbstständigkeit und Selbstbestimmung stehen dabei an erster Stelle. Die Betreuung erfolgt in eigenen Räumlichkeiten. Die Menschen bewohnen aber ihre eigenen Wohnungen in den Pensionisten-Wohnhäusern.

Wer kann hier einziehen?
Die Tag.Familien in den Häusern Mariahilf und Neubau richten sich an Menschen, bei denen eine geistige Behinderung, eine Sinnesbehinderung oder psychiatrischen Diagnosen vorliegen. Die Besonderheit ist das Alter der BewohnerInnen: Sie sind oftmals jünger als die anderen BewohnerInnen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie Unterstützung in der Bewältigung ihres Tagesablaufes brauchen.

Was macht die Tag.Familie?
Die BewohnerInnen treffen sich in der Früh in der Tag.Familie, frühstücken gemeinsam und den Tag über in Gruppen oder einzeln unterschiedlichen Tätigkeiten nach und werden dabei von Betreuungspersonen begleitet. Der Bogen spannt sich dabei über Musikhören, Spaziergänge, Gesellschaftsspiele, Bewegung in der Gruppe, Gedächtnisübungen, Kaffeehausbesuche und Vieles mehr. Durch zahlreiche anregende Aktivitäten in der Gruppe werden auch Kommunikation, Lebensfreude und Mobilität gefördert.

Besonders wichtig ist, Angehörige und PartnerInnen zu entlasten. Die Betreuung und Pflege von Familienmitgliedern kann oft sehr schnell eine nur mehr schwer zu bewältigende Aufgabe werden. Das Ziel ist hier eine deutliche Entlastung – jedoch sollen Angehörige auch weiterhin in den Alltag der BewohnerInnen einbezogen werden.

Bei der Biografiearbeit werden gemeinsam mit den BewohnerInnen persönliche Bedürfnisse herausgefunden, um die Lebensgeschichte jeder bzw. jedes Einzelnen kennenzulernen. Dabei können auch Angehörige Wesentliches beitragen.

Das Betreuungskonzept
Jeder Mensch ist anders. Daher ist die Betreuung möglichst breit ausgelegt. Sie beruht jedoch auf klar definierten Grundpfeilern:

  • Inklusion: Teilhabe am gesellschaftlichen Leben des Hauses wie z. B. gemeinsames Essen im Gast.Haus oder der Besuch von kulturellen Veranstaltungen. Vereinsamung soll auf jeden Fall vermieden werden.
  • Selbstbestimmung: Autonomie und Eigenständigkeit in den verschiedensten Alltagssituationen zu spüren und umzusetzen ist für die BewohnerInnen eine Grundvoraussetzung für psychisches Wohlbefinden. Die BewohnerInnen können daher ihren Tag selbstbestimmt gestalten, also z. B. selbst wählen, ob sie an Gruppenaktivitäten teilnehmen oder alleine bzw. ohne Gruppenanleitung den Tag verbringen wollen.
  • Partizipation: Einbeziehung aller BewohnerInnen der Tag.Familie in Entscheidungsprozesse innerhalb der Gruppe. Es wird nicht von oben herab ‚bestimmt‘.
  • Normalisierung: Ziel ist es, dass alle BewohnerInnen der Tag.Familie ein in ihrer eigenen Wahrnehmung höchstmöglich normales Leben führen können. Das betrifft zum Beispiel Bereiche wie Tages- oder Jahresablauf und sozialen sowie religiösen Hintergrund.

Wie kommt man zu einem Platz in der Tag.Familie?
Die Aufnahme erfolgt analog zur Aufnahme in eines der Häuser zum Leben. Der grundsätzliche Bedarf und damit die Förderbewilligung werden vom Fonds Soziales Wien (FSW) festgestellt. Eine kleine Besonderheit hier ist, dass der Bedarf für die Aufnahme  direkt im Rahmen der Behindertenbetreuung des FSW festgestellt werden kann. Das Case- und Caremanagement von FSW und KWP entscheidet schließlich über die Eignung – denn es gibt einige wenige Ausschlussgründe wie etwa sehr aggressives Verhalten. Danach folgt eine Besichtigung. Ist der Prozess schließlich abgeschlossen, steht einer Wohnung im Pensionisten-Wohnhaus gemeinsam mit der Tagesbetreuung in der Tag.Familie nichts mehr im Weg.

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